Der Kaffenkahn
traditionelle Schiffahrt erleben
Historischer Kaffenkahn Stich
Die Binnenschiffe vergangener Jahrhunderte trugen, oft regional geprägt, viele Bezeichnungen – Schuten und Aaks, Gellen, Gölten und Jellen, Weserböcke, Oderkähne, böhmische Zillen oder einfach Zille, Nackedeis und Spitzböcke, Butzer und Prahm, Schneider, Kehlheimer, Spreskahn, Trauner oder, wie der Berliner sagt: Äppelkahn.
Diese hölzernen Wasserfahrzeuge waren in der Regel einfach gebaut, hatten keinen Steven, sondern an den Schiffsenden hochgezogenen Bodenplanken, an die seitlich die Planken befestigt waren.

Das so entstandene Schiffsende, die sogennannte Kaffe, gab dem Kahn schließlich den Namen. Gestakt, getreidelt oder bei günstigem Wind gesegelt, wurden alle erdenklichen Waren transportiert. Die Bedeutung der Flussschifffahrt läßt sich ermessen, wenn man bedenkt, daß Fuhrwerke im Verhältnis zum Kahn nur geringe Transportleistungen übernehmen konnten. Etwa zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde in Berlin/Brandenburg begonnen, Wasserstraßen im größeren Maßstab als bisher auszubauen. Später wurden Schleusen angelegt und damit der kontinuierliche Warentransport, weniger abhängig von den natürlichen Wasserständen, bis hoch in den Oberlauf der Flüsse ermöglicht.

"Berlin ist aus dem Kahn gebaut", dieses geflügelte Wort weist auf die enge Verbindung dieser Stadt mit ihren Flussläufen und Kanälen, aber auch auf die Bedeutung des Berliner Umlandes für die Stadtentwicklung hin.Ziegelsteine aus Rathenow od.Zehdenick, Bau-und Brennholz oder Teer aus den umliegenden Wäldern, Kalksteine aus Rüdersdorf oder landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Mecklenburg, Überseeimporte über die Elbe aus Hamburg oder Äpfel aus Böhmen, alles Lebensnotwendige wurde auf Kaffenkähnen transportiert. 1784 erließ Friedrich der II. ein Edikt, wonach es jedermann in Preussen gestattet war, sich als Schiffer zu betätigen. Der Zunftzwang war damit außer Kraft gesetzt. Vielerorts lebten die Menschen nun von der Schifffahrt, Handel und Wandel wurde positiv beeinflusst.

modell01
Die Eisenbahnkonkurrenz genen Ende des 19. Jahrhunderts forderte leistungsfähigere Binnenschiffe als den Kaffenkahn. Der sogenannte Masskahn (Finow-Saale-Oder-Spreemasskahn) mit optimalem Ladevolumen trat seine Nachfolge an. Sehr rasch wurde dadurch eine lange erfolgreiche Binnenschifffahrtsepoche beendet. Kaum jemand kennt noch den Begriff "Kaffenkahn". In den Heimatstuben traditioneller Schifferorte finden sich noch gelegetlich Modelle und Gebrauchsgegenstände aus dieser Zeit.
Historisches